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Nachlese zum Forum Zukunft Tourismus

Es war sehr schön, es hat uns sehr gefreut, aber irgendwie ist man nach größeren Veranstaltungen auch immer ein wenig froh, wenn die Anspannung nachlässt, und man sich mit Freude auf die Auswertung der Ergebnisse stürzen kann. Erfahrungsgemäß braucht man auch immer eine gewisse Zeit bis man alle Inputs ausreichend aufgenommen und verdaut hat. Und weil man sich nicht alles merken kann, stellen wir euch eine grobe Zusammenfassung des Forums vom Club Tourismus als Nachlese zur Verfügung. Die Langversion wird demnächst in Form eines Büchleins erhältlich sein. Jetzt aber zuerst einmal die wichtigsten Statements in Kurzform:

Das diesjährige Forum Zukunft Tourismus des CLUB TOURISMUS am Donnerstag, 12. April 2018, beschäftigte sich kritisch mit dem Thema „Nachhaltigkeit und Tourismus“. Es beleuchtete anhand konkreter Projekte die diesbezüglichen Herausforderungen vor dem Hintergrund tourismuspolitischer Rahmenbedingungen. Es stellte aktuelle Entwicklungen in Frage und versuchte neue Perspektiven aufzuzeigen.

Zur Veranstaltung konnten namhafte Vortragende aus Tourismus, Forschung, Lehre und Nichtregierungsorganisationen gewonnen werden, die im Rahmen von zwei Panels und anschließender Diskussionsrunden ihre Sichtweisen zum Thema präsentieren.

Der Präsident des Club Tourismus, Marco Riederer, wies in seinem Einleitungsstatement darauf hin, dass Österreich seit drei Monaten ein „Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus“ habe, das Veranstaltungen wie das Forum des Club Tourismus auch finanziell unterstütze. Aber die eigentliche „Tourismuskompentenz“ liege in Österreich gar nicht beim Bund, sondern bei den Ländern.

Aber die Materie fließt vermehrt auch in die nationalen Tourismusstatistiken ein und die Experten beschäftigen sich zunehmend mit dem Thema Nachhaltigkeitsmessung. Peter Laimer leitet in der Statistik Austria eine entsprechende Arbeitsgruppe, die eng mit der Welttourismusorganisation UNWTO zusammenarbeitet. Unter anderem wurde ein „Manila call for action“ zur Messung der Nachhaltigkeit im Tourismus veröffentlicht.

Die UNWTO hat 158 Mitgliedsstaaten und zusätzlich 500 Affiliate Members, wie etwa Unternehmen und NGOs. Mit dem Video „Travel, enjoy, respect“ erreichte man 1,8 Mio Menschen. Damit werden drei der 169 globalen Nachhaltigkeitsziele der UN explizit angesprochen, zeigte Leandry Morenovon der UNWTO in Madrid auf. Sie wies darauf hin, dass Tourismus eine Querschnittsmaterie sei, die unmittelbar und mittelbar zu allen 169 Zielen beitragen könne.

In Österreich arbeitet Angelika Liedler-Janoschik, im Tourismus-Ministerium zuständig für „Internationale Tourismusanglegenheiten“ daran, diese Erklärungen „in unseren Alltag, in unser Handeln und Wirken umzusetzen“.

Der Jurist und Philosoph Harald Friedl verweist in seinem bekannt provokativen und daher zum Nachdenken anregenden Statement auch auf die inneren Widersprüche, der sich eine Organisation wie die UNWTO ausgesetzt sieht. Ihre Kernaufgabe ist es, die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus als Wachstumsmotor in den Mittelpunkt zu stellen. Gleichzeitig muss auch die Nachhaltigkeit zum zentralen Anliegen werden. „Tourismus ist Wachstum und Entwicklung“ stellt die Vertreterin der Welttourismusorganisation klar. 10% des BIP und 10% der Jobs, 7% der Welt-Exporte und 30% der globalen Dienstleistungsexporte hängen vom Tourismus ab.

Von größerem Einfluss der Politik auf die Nachhaltigkeit im Tourismus, so Christian Baumgartner,Professor für Tourismus an der FH Wien, könne man nicht sprechen. Immerhin wurde bereits ein „Global Report on Sustainable Tourism“ erstellt. Er fordert eine Reduktion der Förderungen im Bereich der Nachhaltigkeit, denn es sollen in Zukunft nicht noch mehr Modellregionen geschaffen werden, sondern Nachhaltigkeit muss Alltäglichkeit werden.

„Der Staat muss einen Rahmen setzen, der dann auch gegenüber den Unternehmen durchgesetzt werden muss“, sagt Astrid Winkler von der Kinderschutzorganisation ECPAT Österreich. Es schwebt ihr so etwas wie eine „Tourismusverträglichkeitsprüfungen“ vor sowie eine einschlägige internationale Konvention.

Verantwortlich handelnde Unternehmen sollten ihre Kreativität und Innovationskraft zur Lösung der Herausforderungen der nachhaltigen Entwicklung einsetzen. Die derzeitige Bilanz ist aber „eher ernüchternd“: Nicht einmal 2% der Beherbergungsbetriebe sind mit dem Umweltzeichen zertifiziert, sagt dazu Dagmar Lund-Durlacher, die an der Wiener Modul-Universität das Department für Tourismus und Service Management leitet. Einzelne, immer wieder vor den Vorhang geholte Erfolgsbeispiele tragen nicht zu einem Systemwandel bei. Ein Ansatz der kleinen Schritte ist nicht geeignet, die großen Probleme zu lösen. Corporate Social Responsibility (CSR) ist in ihren Augen in vielen Unternehmungen und Konzernen nur ein Randthema, es zähle nur der kurzfristige Erfolg.

Dem setzt Lund-Durlacher einen „systematischen Ansatz“ entgegen, den sie CSR 2.0 nennt und der folgende Schwerpunkte verfolgen muss: Nutzung des Kreativitäts- und Innovationspotentials in den Betrieben (Beispiel: magdas Hotel in Wien), Messung der CSR-Maßnahmen, schnellere und effektivere Reaktion auf die Globalisierung (Berücksichtigung regionaler Besonderheiten), Implementierung eines ökologischen Kreislaufsystems.

„Von einem notwenigen „Systemwandel für den Tourismus“ spricht auch Alexander Kesselring von Ashoka CEE. Er erwartet sich positive externe Effekte durch „social entrepreneurship“.Sie sollen neben der direkten (wirtschaftlichen) auch die „indirekten Wirkungen“ im Auge behalten und so negativen Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft aktiv entgegenwirken.

Social Entrepreneurship sieht Kerstin Dohnal von destination:development als eine Lösung, denn social entrepreneurs sind die Treiber_innen gesellschaftlichen Wandels. Bei der Destinationsentwicklung muss ihrer Meinung nach der Fokus daraufliegen, die Menschen in ihren traditionellenTätigkeiten Wertschätzung entgegenzubringen, und die Menschen in der Destination zu den Hauptentscheidungsträger_innenn zu machen.“